zur Homepage
Benutzerdefinierte Suche

Im Kurzinterview Frau Britta Reimers (FDP) selbständige Landwirtin.



Frau Reiners kandidiert für die FDP als Abgeordete für das Europa-Parlament (Nachtrag 08.06.09 - Frau Reimers hat den Einzug in das EU-Parlament geschafft, ich Gratuliere.)



Frage:
Unsere Milchbauern brauchen höhere Milchpreise um ihre Existenz nicht zu verlieren.Der Verbraucher wird dafür wohl wieder mehr bezahlen müssen, Angebot und Nachfrage regeln die Märkte außer bei der Landwirtschaft. Brauchen wir ein "Konjunkturpaket für Bauern"  oder noch mehr Wahlkampf Geschenke auf Kosten der Steuerzahler? Wie kann Ihrer Meinung nach das Problem gelöst werden?



Frau Reimers:
Die Wirtschaftskrise trifft alle Branchen hart. In der Milchwirtschaft trifft sie zudem gerade in dem Zeitpunkt ein, in dem die EU aus der Planwirtschaft in die soziale Marktwirtschaft wechseln will. Dieser Zeitraum ist sehr sensibel, da mit den letzten Reformen eine durchaus starke Umstrukturierung im Milchbereich begonnen hat.
Es gibt Bereiche in der Landwirtschaft, wo sich die Unternehmer am Markt behaupten wie z.B. Schweinehaltung, Kartoffelanbau, Obst- und Gemüseanbau. Wir brauchen kein spezielles Konjunkturprogramm für Bauern, sondern generell Hilfen für Mittelständler. Die schnellste Hilfe läge in Beschleunigung von bürokratisch bedingten Verfahren, eine verstärkte Entbürokratisierung, Abbau von deutschen Wettbewerbsverzerrungen, Beratungshilfe im Bereich Liquiditätsmanagement für Milchviehbetriebe, die sich mit dem Markt gerade erst auseinanderzusetzen beginnen und die Bereitstellung zinsloser Liquiditätsdarlehen unter den normalen Kriterien der Kreditvergabe. Wie gesagt, die Betriebe brauchen Hilfen, keine Geschenke. Bei dem Problem darf man nicht vergessen, dass die Milchbauern es sich nicht ausgesucht hatten, in einem geplanten Markt agieren zu müssen. Das war geschichtlich bedingte politische Entscheidung. Da diese nun geändert wird, muss es auch entsprechende Begleitmaßnahmen geben. Betriebe, die mit Planwirtschaft großgeworden sind, können sich nicht von heute auf morgen im Markt zurechtfinden. Dazu bedarf es einer Übergangsphase, die uns durch die Weltwirtschaftskrise genommen wurde.



Frage:
Die meisten Landwirte haben sich auf ein Kerngeschäft spezialisiert z.B. Milch, Viehzucht Schweinezucht usw. War diese Spezialisierung und damit die Abhängigkeit von einem Marktsegment ein Fehler. Wie denken Sie darüber?



Frau Reimers:
Diese Spezialisierung haben wir bereits viel stärker im Rahmen der Industrialisierung im Handwerk erlebt. Universelle Handwerksbetriebe gibt es zunehmend weniger. Auch dort fächert sich das Ganze auf: Es wird sich entweder auf Nischen spezialisiert, mehrere Standbeine genutzt oder es ist industrialisiert worden.
Die Spezialisierung ist kein Fehler. Die Landwirtschaft hat sich verzweigt weiterentwickelt. Die Anforderungen an die einzelnen Produktionsbereiche sind zudem gestiegen. Wir haben heute Betriebe, die noch auf mehreren Standbeinen agieren genauso wie vollspezialisierte. Es hängt an vielen Einzelfaktoren, warum sich Betriebsleiter für die jeweilige Produktionsrichtung entscheiden. Je nachdem, wo man produziert, mit welchen Faktoren der jeweilige Betrieb ausgestattet ist, ob es sich um Vollerwerbs- oder Nebenerwerbsbetriebe handelt oder allein schon die persönliche Neigung eines(r) Betriebsleiters (-leiterin) kann entscheiden, wie ein Betrieb entwickelt wird. In den Medien wird dies nicht so vielfältig widergespiegelt, wie dies in der Realität ist. Spezialisierung hat z.B. auch den Vorteil, dass das jeweilige Fachwissen viel intensiver ausgebildet und genutzt werden kann. Wir selber führen einen Milchvieh-Ackerbaubetrieb, wo der Ackerbau eher eine Begleitproduktion ist. Mit den reinen Ackerbauvollprofis können wir nicht mithalten, weder vom Fachwissen her, noch von der technischen Ausstattung. Alle Produktionsrichtungen vorzuhalten benötigt gewaltiges Kapital. Denn Sie dürfen nicht vergessen, dass Landwirtschaft ein sehr kapitalintensiver Wirtschaftszweig ist.



Frage:
Es gibt immer weniger Landwirte in Deutschland trotzdem haben wir zu viele Lebensmittel, was man an den Milchpreisen ja deutlich sehen kann, wie passt das zusammen?



Frau Reimers:
Ja, wir haben immer weniger Landwirte. Diese sind aber immer besser ausgebildet. Die Fortschritte in Bereich Technik und Zucht dazu ermöglichen eine immer effizientere Produktion. Außerdem sind wir hier ein natürlicher Gunststandort. Wir produzieren mehr als unsere Bevölkerung braucht. Damit machen wir das gleiche wie viele Wirtschaftsbereiche Deutschlands: Wir produzieren für den Export. Deutschland ist ein exportorientiertes Land. Unser Wohlstand hat sich darauf aufgebaut.
Derzeit haben wir eine Wirtschaftskrise, die gerade den Export besonders hart trifft. Sie trifft alle exportabhängigen Branchen und eben auch die Landwirtschaft. Schauen sie sich mal den Hamburger Hafen an. Es ist schockierend, wie still es dort derzeit ist. Das ist eine große Aufgabe für alle Staaten, den Wirtschaftsmotor wieder in Gang zu bekommen. Denn wenn es unseren abnehmenden Partnern wirtschaftlich schlecht geht, können wir nicht verkaufen. Das ist in der Landwirtschaft nicht anders als in der Industrieproduktion. Es sind die Grundregeln des Marktes.
Die Nachfrage ist sehr schnell zusammengebrochen. Die Produktion eben nicht. Nun haben wir ein Angebotsüberhang. In der Milchwirtschaft kommt erschwerend hinzu, dass sie sich nicht nur an Marktregel orientieren muss, sondern auch an Naturgesetze. Kühe können keine Kurzarbeit verrichten. Wenn in der Milchproduktion ein Band abgestellt wird (also eine Kuh geschlachtet wird), dann langfristig. Bis eine Kuh die erste Milch produziert, braucht es mind. 2 Jahre, diese großzuziehen.
Und nebenbei erwähnt halte ich es für gut, dass wir europäischen Bauern so gut produzieren können, denn diese Welt hat jedes Jahr über 80 Millionen Menschen mehr zu ernähren. Wir müssen nur noch den Weg finden, wie dieses Ernährungspotential, dass wir in den Gunststandorten haben, sowohl für die Überproduktionsregionen als auch für die Mangelregionen angemessen genutzt werden kann.



Frage:
Wir alle werden durch ständig steigende Steuer u. Abgabenlast immer mehr dazu gezwungen so billig wie möglich auch unsere Lebensmittel ein zu kaufen. Die FDP möchte die Steuer u. Abgabenlast für die Menschen senken. Glauben Sie das hätte eine positiven Effekt auch auf das Kaufverhalten, dass die Menschen wieder bereit sind mehr Geld für eine gute und gesunde Ernährung aus zu geben?



Frau Reimers
Ja, ich bin der Meinung, dass es ganz normal ist, dass Bürger, denen mehr vom Lohn bleibt, dies positiv für sich selber einsetzen. Das können qualitativ bessere Lebensmittel dann aber auch genauso sein, wie andere höherwertige Sachen. Es ist doch absolut menschlich, nach Besserem zu streben. Genauso wie es im Mittelstand üblich ist, bei gesenkten Steuer- und Abgabenlasten den höheren Gewinn nicht gleich abzuschöpfen sondern zu reinvestieren in Arbeitsplätze und Produktionsverbesserungen. Mittelständler haben zudem in den letzten Jahrzehnten immer wieder bewiesen, dass sie gerne ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nach kommen und sich regional und sozial zielorientiert engagieren.



Frage:
Sie und Ihre Familie haben einen eigenen Landwirtschaftlichen Betrieb und sind somit wohl mit am Besten geeignet im Europa Parlament unsere Landwirte zu Vertreten. Können Sie kurz zusammen fassen wo Sie ihre Schwerpunkte setzten werden, falls Sie am ins EU Parlament gewählt werden.



Frau Reimers:
Ich bin der Meinung jeder soll sich da engagieren, wo er auch das Wissen zu hat. Für mich sind das die Bereiche Agrarpolitik, Verbraucherschutz und Umweltschutz. Im Team möchte ich als Mittelständlerin und Praktikerin aber auch bei anderen Themen immer mal wieder darauf einwirken, dass gute Ideen auch vor der Umsetzung auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüft werden. Politik sollte die Füße auf dem Boden behalten, sonst geht der Bezug zu den Menschen verloren. Eine bodenständige Politk sorgt für Stabilität.



Ich danke Ihnen für das Kurzinterview Frau Reimers. Mehr Informationen zur Arbeit von Frau Reimers finden Sie hier: www.brittareimers.eu

Partnerseiten : Häuser Galerie auf Facebook | Hausgarten | haus-selbstgebaut | bauzentrum24 | auftrago | 1a-work | YouTube | Baurecht | Hausverwaltung| the-newstime.com | Immobilie